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Wissen

PI Planning

Zwei Tage, in denen alle Teams gemeinsam festlegen, was in den nächsten drei Monaten tatsächlich gebaut wird.

Diese Seite erklärt, was ein PI Planning ist, wer daran teilnimmt, wie die beiden Tage ablaufen und woran es in der Praxis scheitert. Sie ist aus der Moderation solcher Veranstaltungen geschrieben, nicht aus dem Lehrbuch — inklusive der Frage, wann sich externe Moderation lohnt und wann nicht.

Was ist ein PI Planning?

Ein PI Planning ist die Planungsveranstaltung, in der alle Teams eines Agile Release Train gemeinsam den Arbeitsumfang für das nächste Planning Interval festlegen. Es dauert in der Regel zwei Tage und findet alle rund zwölf Wochen statt, in vielen Organisationen quartalsweise.

Der entscheidende Unterschied zu jeder anderen Planungsrunde: Die Teams planen nicht nacheinander und nicht getrennt, sondern gleichzeitig und im selben Raum. Abhängigkeiten zwischen Teams werden dort sichtbar, wo sie entstehen — und nicht sechs Wochen später im Statusbericht.

Weil im PI Planning der Scope aller Teams für ein Quartal festgelegt wird, werden dort faktisch erhebliche Geschäftsentscheidungen getroffen. Das ist der Grund, warum die Veranstaltung mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie in vielen Organisationen bekommt: Sie ist kein Termin im Kalender, sie ist das Nadelöhr der agilen Planung.

Andere Bezeichnungen

PI Planning wird auch Big-Room-Planning oder Quartalsplanung genannt. „PI“ stand ursprünglich für Program Increment; seit SAFe 6.0 heißt der Zeitraum Planning Interval. Die Abkürzung ist geblieben.

Was ist ein Planning Interval?

Ein Planning Interval ist der Zeitraum, den ein PI Planning plant: in der Regel rund drei Monate, aufgeteilt in mehrere Sprints von je zwei bis vier Wochen. Am Ende des Intervalls beginnt der Zyklus mit dem nächsten PI Planning von vorn.

Bis SAFe 5 hieß dieser Zeitraum Program Increment. Mit SAFe 6.0 wurde er in Planning Interval umbenannt, weil „Increment“ ein Ergebnis beschreibt und nicht die Zeitspanne, um die es hier geht. In vielen Unternehmen sind beide Begriffe weiterhin parallel im Umlauf — gemeint ist dasselbe.

PI Planning (2 Tage) Sprint 1 Sprint 2 Sprint 3 … Sprint 6 Sprints je 2–4 Wochen · Planning Interval ≈ 3 Monate

Wer nimmt teil — und in welcher Rolle?

Ein PI Planning bringt alle zusammen, die für die Planung des nächsten Intervalls gebraucht werden. Die Größe schwankt entsprechend: von rund fünfzig Personen bei einem kleinen Train bis zu mehreren hundert bei großen Organisationen.

Rollen im PI Planning und ihre Aufgabe
RolleAufgabe im PI Planning
Die TeamsPlanen ihre Arbeit selbst — vollständig anwesend, nicht durch Vertretungen.
Product Owner und Product ManagementBringen die Priorisierung mit und beantworten die Fragen, die beim Aufschneiden der Arbeit entstehen.
Scrum MasterModerieren die Arbeit im eigenen Team, halten den Zeitrahmen und tragen Abhängigkeiten nach außen.
Release Train EngineerFührt den Train durch das Intervall — im Planning zugleich Gastgeber und Moderator.
Business Owner und StakeholderGeben den Geschäftskontext und bewerten am Ende die Pläne.
Systemarchitektur und ManagementSetzen die technischen Leitplanken und lösen Hindernisse, die kein Team allein auflösen kann.

Zwei Punkte entscheiden über die Qualität der Runde. Erstens: Wer plant, muss die Arbeit später auch machen — delegierte Planung hält selten bis zum Ende des Intervalls. Zweitens: Der RTE ist an diesen zwei Tagen Gastgeber und Moderator zugleich. Genau diese Doppelbelastung lässt sich auslagern, und ohne entscheidungsbefugte Business Owner im Raum fehlt dem Planning am Ende die Verbindlichkeit.

Remote-Teilnehmende sind nicht ideal, aber möglich

Wer nicht vor Ort sein kann, wird zugeschaltet. Das funktioniert — aber nur, wenn die Remote-Teilnahme von Anfang an geplant ist und nicht am Morgen des ersten Tages improvisiert wird. Eine Kamera im Raum reicht dafür nicht.

PI Planning Agenda: wie die zwei Tage ablaufen

Der Ablauf folgt einem eingespielten Muster: erst der gemeinsame Kontext, dann die Planung in den Teams, dann die Abstimmung zwischen den Teams und zum Abschluss ein gemeinsames Commitment von Teams und Management.

Tag 1 — Kontext und erster Entwurf

Der Vormittag gehört dem gemeinsamen Bild: Wo steht das Geschäft, was ist die Produktvision, welche technischen Leitplanken gelten, wie wird geplant. Am Nachmittag ziehen sich die Teams zurück und erarbeiten ihren ersten Planentwurf. Der Tag endet mit einer Durchsicht dieser Entwürfe und mit dem Management, das die aufgetauchten Probleme aufnimmt und über Nacht Entscheidungen vorbereitet.

Tag 2 — Anpassung und Zusage

Der zweite Tag beginnt mit den Anpassungen, die sich aus dem Vorabend ergeben haben. Danach planen die Teams weiter, stellen ihre finalen Pläne vor und benennen die Risiken, die sie sehen. Zum Schluss stimmen alle ab, wie zuversichtlich sie den Plan halten. Fällt das Ergebnis zu niedrig aus, wird nachgearbeitet — nicht beschönigt.

Agenda eines PI Plannings über zwei Tage
AgendapunktWas darin passiert
Tag 1 · Business ContextDie Geschäftsseite zeigt, wo das Unternehmen steht und was im kommenden Intervall zählt.
Tag 1 · Product / Solution VisionProduct Management stellt die nächsten Prioritäten und die anstehenden Features vor.
Tag 1 · Architecture VisionDie Systemarchitektur benennt die technischen Leitplanken und die Umbauten, die anstehen.
Tag 1 · Planning ContextDer Release Train Engineer erklärt den Ablauf: Zeitplan, Kapazitäten, erwartete Ergebnisse.
Tag 1 · Team BreakoutsDie Teams planen ihre Arbeit selbst, schätzen ihre Kapazität und benennen Abhängigkeiten.
Tag 1 · Draft Plan ReviewJedes Team stellt seinen Entwurf vor — Ziele, Abhängigkeiten und die Risiken, die es sieht.
Tag 1 · Management Review & Problem SolvingDas Management nimmt die aufgetauchten Probleme auf und bereitet über Nacht Entscheidungen vor.
Tag 2 · Planning AdjustmentsDie Entscheidungen des Vorabends werden vorgestellt: geänderter Scope, Prioritäten, Kapazitäten.
Tag 2 · Team BreakoutsZweite Runde: Die Teams arbeiten ihre Pläne auf Basis der Anpassungen fertig.
Tag 2 · Final Plan ReviewDie finalen Pläne werden vorgestellt und von den Business Ownern bewertet.
Tag 2 · ART RisksDie verbleibenden Risiken werden offen benannt und jeweils einer Person zugeordnet.
Tag 2 · Confidence VoteAlle stimmen ab, wie zuversichtlich sie den gemeinsamen Plan halten.
Tag 2 · Plan ReworkFällt die Abstimmung zu niedrig aus, wird nachgearbeitet — nicht beschönigt.
Tag 2 · Planning Retro & Moving ForwardKurze Retrospektive auf die Veranstaltung, dann die nächsten Schritte für das Intervall.

Dieselbe Agenda, erweitert um einen optionalen Vortag für Anreise, Team Building oder ein Training, steht auf der Startseite unter Erweiterte PI Planning Agenda.

Der Vortag, den kaum jemand nutzt

Wenn ohnehin alle anreisen, ist der Abend vorher die günstigste Gelegenheit für Team Building, ein Training oder eine Firmenfeier, die es sonst nie gibt. Eine Anreise, zwei Ergebnisse — die Reisekosten fallen ohnehin an.

Was gute Vorbereitung ausmacht

Ein PI Planning wird nicht in den zwei Tagen gewonnen, sondern in den Wochen davor. Was am Veranstaltungstag improvisiert werden muss, kostet Planungszeit, die den Teams dann fehlt.

Kontext steht vorher fest

Geschäftskontext, Produktvision und Priorisierung sind vor dem Planning abgestimmt — nicht Gegenstand des Plannings. Wer den Scope erst im Raum verhandelt, verliert den ersten Tag.

Backlog ist planbar geschnitten

Die Arbeit muss so vorbereitet sein, dass Teams sie in Sprints aufteilen können. Grobe Themen ohne erkennbaren Umfang blockieren die Breakouts.

Die richtigen Menschen sind zugesagt

Vollständige Teams, entscheidungsbefugte Business Owner, verfügbare Architektur. Eine Zusage „falls nichts dazwischenkommt“ ist keine Zusage.

Logistik ist geklärt

Raum, Technik, Verpflegung, Anreise, Unterkunft und die Remote-Zuschaltung. Das klingt nach Nebensache und entscheidet trotzdem darüber, ob am Nachmittag noch jemand aufnahmefähig ist.

Woran PI Plannings scheitern

Die Muster wiederholen sich über Organisationen hinweg. Keines davon ist ein Planungsfehler der Teams — alle entstehen davor oder daneben.

Der Scope wird im Raum verhandelt

Wenn Stakeholder das Planning nutzen, um Prioritäten neu zu diskutieren, planen die Teams gegen ein bewegliches Ziel. Erkennbar daran, dass der erste Tag ohne belastbaren Entwurf endet.

Die Entscheider fehlen

Probleme, die das Management lösen müsste, wandern in eine Liste statt in eine Entscheidung. Erkennbar daran, dass dieselben Punkte im nächsten Planning wieder auftauchen.

Der Confidence Vote ist Folklore

Wird niedrige Zuversicht zur Kenntnis genommen statt bearbeitet, lernen alle, dass die Abstimmung folgenlos ist. Danach stimmt niemand mehr ehrlich ab.

Abhängigkeiten bleiben unsichtbar

Teams planen nebeneinander statt miteinander. Erkennbar daran, dass die Abhängigkeiten erst im Sprint auffallen — dann, wenn sie teuer sind.

Der RTE moderiert sich selbst

Wer gleichzeitig den Train führt, den Ablauf moderiert, die Technik betreut und inhaltlich mitentscheidet, macht nichts davon gut. Das ist die häufigste und die am leichtesten behebbare Ursache.

Remote wird nachgerüstet

Zugeschaltete Teilnehmende ohne eigene Moderation, ohne funktionierenden Ton und ohne Zugriff auf dieselben Artefakte sind faktisch nicht Teil der Planung — sie sind Zuschauende.

Wann sich externe Moderation lohnt — und wann nicht

Nicht jedes PI Planning braucht Moderation von außen. Die ehrliche Antwort hängt davon ab, woran es gerade hakt.

Es lohnt sich, wenn …

… der Release Train Engineer moderiert und gleichzeitig inhaltlich gebraucht wird. … das erste PI Planning einer Organisation ansteht und niemand Erfahrung mit dem Format hat. … die Logistik den Aufwand treibt, weil hunderte Menschen anreisen, untergebracht und verpflegt werden müssen. … die letzten Plannings inhaltlich in Ordnung waren, aber als anstrengend und ergebnisarm erlebt wurden. … eine neutrale Person nötig ist, weil zwischen Bereichen Konflikte im Raum stehen.

Es lohnt sich nicht, wenn …

… das Planning gut läuft und der RTE genug Luft hat. Dann kostet externe Moderation Geld und bringt nichts. … das eigentliche Problem vor dem Planning liegt: unklare Priorisierung, ein unvorbereitetes Backlog, fehlende Entscheidungsbefugnis. Moderation macht diese Probleme sichtbar, sie löst sie nicht. … die Organisation noch gar keinen Agile Release Train hat. Dann ist die Frage nicht die Moderation, sondern der Zuschnitt der Teams.

Der zweite Fall ist der häufigere. Wer unsicher ist, in welchem er steckt, klärt das in einem Gespräch schneller als in einem Angebot.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein PI Planning?

Klassisch zwei Tage. Mit einem vorgeschalteten Tag für Anreise, Team Building oder Training werden daraus drei. Kürzer als zwei Tage funktioniert selten: Der zweite Tag existiert, damit Teams auf die Probleme des ersten reagieren können.

Wie oft findet ein PI Planning statt?

Alle rund zwölf Wochen, in vielen Organisationen im Quartalsrhythmus — jeweils zu Beginn eines neuen Planning Intervals.

Wie viele Menschen nehmen teil?

So viele, wie zum Train gehören. Häufig zwischen fünfzig und zweihundert Personen; große Organisationen planen auch mit mehreren Trains parallel.

Geht ein PI Planning auch remote?

Ja, aber es ist die schwierigere Variante. Remote funktioniert, wenn die Moderation darauf ausgelegt ist, jedes Team eine eigene Moderation hat und alle mit denselben Artefakten arbeiten. Als Sparmaßnahme gedacht, funktioniert es meistens nicht — der Wert der Veranstaltung liegt zu einem großen Teil in den Gesprächen zwischen den Sitzungen.

Braucht man SAFe, um ein PI Planning zu machen?

Nein. Das Format stammt aus SAFe und trägt dessen Vokabular, aber die Grundidee — alle Teams planen gemeinsam für denselben Zeitraum — funktioniert auch in Organisationen, die ein anderes skaliertes Framework nutzen oder gar keines.

Was ist der Unterschied zwischen Program Increment und Planning Interval?

Es ist derselbe Zeitraum unter zwei Namen. SAFe 6.0 hat Program Increment in Planning Interval umbenannt. Die Abkürzung PI blieb erhalten, weshalb die Veranstaltung weiterhin PI Planning heißt.

PI Planning as a Service

Diese Seite ist aus der Praxis geschrieben: von Oktober 2023 bis Oktober 2024 vierteljährliche PI Plannings für rund 180 Personen der Digital Business Unit der KION AG, dazu die Begleitung agiler Transformationen — aktuell bei einer Bundesbehörde im Rahmen eines IT-Systemhaus-Mandats.

Wer die Moderation, die Vorbereitung oder die gesamte Organisation abgeben möchte, findet die buchbaren Leistungen auf der Startseite unter PI Planning as a Service — von der reinen Moderation über Location bis zur vollständigen Reise- und Verpflegungsorganisation.

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